Die Montag-Morgen-MoFi: seltener Fall or nicht?

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Jetzt sind es noch drei Tage bis zur totalen Mondfinsternis am 28. September, und eigentlich braucht man nur zu wissen, was oben in der Grafik des Hamburger Planetariums zusammen gefasst ist: erste Partialität von 3:07 bis 4:11 MESZ, dann 73 Minuten Totalität und zweite Partialität von 5:24 bis 6:27 MESZ, wenn längst die Morgendämmerung begonnen hat. Nachzulesen auch hier, hier, hier, hier oder hier für die MESZ-Zeitzone, hier, hier und hier für das UK und hier, hier, hier, hier, hier oder hier für Amerika, wo die Finsternis zeitlich günstiger liegt, wie auch den ersten beiden Videos zu entnehmen ist. Aber etwas soll angeblich diesmal ganz besonders sein: Wohl vor allem dieser Mitteilung der NASA folgend, wird aller Orten eine angeblich unglaublich seltene Koinzidenz von Ereignissen behauptet und insinuiert, der total verfinsterte Mond werde irgendwie außerordentlich groß erscheinen, da er erstmals seit 1982 mit einem „Supermoon“ zusammen fiele – dazu auch das dritte Video.

Nun ist der „Supermond“-Begriff – von einem Astrologen erfunden, aber längst von astronomischen Öffentlichkeitsarbeitern vereinnahmt, da er eh nicht mehr weg geht – freilich nur schwammig definiert, mal als der perigäumsnächste Vollmond eines Jahres, mal als die drei perigäumsnächsten nacheinander, mal als generell perigäumsnahe Vollmonde wie bei Fred Espenak. Und seiner Tabelle ersieht man sofort, dass totale Mondfinsternisse („t“) bei ‚Supermonden‘ überhaupt keine Seltenheit sind. Auch die Grafik unten dieses Bloggers macht das deutlich: Aufgetragen sind (grob) die Erdabstände sämtlicher totaler MoFis von 1975 bis 2055, also 2015±40 Jahre, von denen die kommende (offener Kreis) zwar besonders erdnah ausfällt, was aber auch für jede Menge andere gilt. Im Detail nachgerechnet war bzw. ist der Mond bei den MoFis vom 9. Januar 2001 und 26. Mai 2021 nur um 0.15% weiter entfernt als am 28. September 2015, und auch am 16. Mai 2003 bzw. 21. Januar 2019 waren/sind es nur 0.23% mehr.

Auch bei der nächsten MoFi nach der kommenden überhaupt, am 31. Januar 2018, ist der Mond nicht einmal 1% weiter weg als dieses Mal: All diese Finsternisse werden visuell exakt denselben Eindruck hinterlassen (bei der von der NASA gefeierten am 30. Dezember 1982 war der Mond übrigens 0.07% weiter weg). Gleichwohl macht die Elliptizität der Mondbahn schon einen Unterschied aus: Im Aphel ist der Abstand 14% größer und der Durchmesser mithin um diesen Wert geringer bzw. die Fläche sogar um 30%. Dieser Unterschied und insbesondere der besonders große Perigäumsvollmond ist tatsächlich auffällig für das bloße Auge, und Fotografen kommt die Perigäums-MoFi auch (buchstäblich) entgegen – aber die Rarität, zu der sie jetzt allerorten erhoben wird, die ist sie nicht. In anderer Hinsicht ist es allerdings schon, jedenfalls für Europa: Dort ist sie die letzte bis 2029 mit der Totalität komplett an dämmerungsfreiem Nachthimel, was für die volle Show essentiell ist.

Wer noch Tipps für Fotos des so gesehen doch seltenen Ereignisses braucht, kann sich an den technischen Angaben hier orientieren; modernere Kameras erlauben meist höhere ISO-Werte ohne zu viel Rauschen, so dass kürzer belichtet werden kann als damals in Indien. Wenn das Wetter nicht mitspielen sollte, sind bereits zahlreiche Webcasts angekündigt, so hier, hier und hier, es gibt eine Einladung für Experimente, um ähnlich wie Aristarch mit der MoFi das Sonnensystem zu vermessen, in China wird aus Flugzeugen beobachtet, der Lunar Reconnaissance Orbiter muss aufpassen, kann aber auch was messen, und die Bekloppten sind unterwegs, wie immer. Die MoFi mag auch Anlass sein, über das Wesen der Mondphasen nach zu denken – und verspätet ist noch ein Bericht von der vorangegangenen partiellen SoFi in der Antarktis am 13. September aufgetaucht.

3 Antworten to “Die Montag-Morgen-MoFi: seltener Fall or nicht?”

  1. Countdown Ticker zur totalen Mondfinsternis am 28. September 2015 | Volker Nawrath's Blog Says:

    […] Fischer geht in seinem Blog Skyweek auf die Frage ein, ob der Supermond selten ist oder nicht. Auslöser der momentanen, sagen wir mal “Aufmerksamkeit” in den Medien ist wohl ein […]

  2. Chronik der Mondfinsternis vom 28. 9. 2015 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Viele Links und eine ausgiebige Analyse der angeblichen Seltenheit solcher Finsternisse in Erdnähe gab es ja schon hier zu sehen, während die größten Missverständnisse zu speziell dieser MoFi noch einmal hier zusammen […]

  3. Live-Blog zum „Super“-Vollmond-Trubel & mehr | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] 2017/Jan. 2018, wenn die nächste Supermond-Serie ins Haus steht, im Januar 2019, wenn wieder einer mit einer totalen MoFi zusammen fällt? Oben der gestern aufgehende Vollmond hinter der gerade auf die Rampe gerollten Soyuz in […]

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