Statt Alien-Blödsinn: den Stern selber erforschen!

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Der Kepler-Satellit hat ihn während der regulären Mission permanent beobachtet und seine kuriose Lichtkurve (diverse Ausschnitte oben) aufgezeichnet, aber dann fiel er aus – und scheint’s niemand hat sich mehr um den Stern KIC 8462852 gekümmert, obwohl seine außergewöhnliche Lichtkurve schon bald den Planet Hunters aufgefallen war, Citizen Scientists, die sich die Photometrie des Satelliten direkt anschauen. Mit 11.9 mag. und z.T. erheblichen Helligkeitseinbrüchen unbekannter Ursache wäre er auch für die Überwachung mit Amateurteleskopen geeignet gewesen, aber ein Aufruf erfolgte offenbar nicht. Und auch nicht, nachdem letzten Monat ein detailliertes Paper das Rätsel diskutierte und u.a. nach mehr Daten rief: Dabei ist die Fortschreibung der Lichtkurve unabdingbar, um der Natur der offenbar erratisch den Stern bedeckenden Objekte auf die Spur zu kommen. Aber damals spielten in der ‚Story‘ noch keine Aliens mit und nur ’normale‘ Astrophysik-Ideen … was sich vor einer Woche bekanntlich mit diesem einen Artikel schlagartig geändert hat, der die von den Autoren des Papers favorisierte Hypothese eines zerbrochenen Kometen herunter spielte und stattdessen eine Spekulation mit einer bauwütigen Superzivilisation aufbauschte – die freilich selbst deren Vertreter für unwahrscheinlich hält, in diesem konkreten Fall!

Später in einer detaillierten Arbeit [alt.] hat er den Fall zwar für verfolgenswert erklärt, warnt aber: „Invoking alien engineering to explain an anomalous astronomical phenomenon can be a perilous approach to science because it can lead to an “aliens of the gaps” fallacy […] and unfalsifiable hypotheses. The conservative approach is therefore to initially ascribe all anomalies to natural sources, and only entertain the ETI hypothesis in cases where even the most contrived natural explanations fail to adequately explain the data.“ Was hier sicher nicht der Fall ist; eine Auswahl vergleichsweise seriöser Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier (früher, noch früher) und hier und trefflicher Tweets hier, hier, hier, hier und hier. Erst der Alien-Rummel hat nun heute die AAVSO zu einem Beobachtungsaufruf bewogen: „Filtered time-series observations in one or more photometric filters are encouraged. Individual fading events have lasted for several days each, but show complex structure on very short timescales. The star itself is also rotating, and shows rotational variation at the millimagnitude level with a period of 0.8797 day. Instrumental observers world-wide are encouraged to participate, and we encourage observers from Asia and the northern Pacific especially to participate to improve temporal coverage of this star.“ Der steht praktischerweise im Schwan und geht zur Zeit am frühen Abend durch den Zentralmeridian, noch bis Anfang 2016 kann er gut beobachtet werden – auch eine neue Nova Oph und wie sich große Sonnenstürme dem Nachweis entziehen können.

Ein Teil des „Kohlensacks“ mit dem 2.2-m-Teleskop der ESO aufgenommen: ein besonders dunkler Dunkelnebel. Auch das neue Robo-AO-System für das 2.1-m-Teleskop auf dem Kitt Peak, die Kamera MICADO für das E-ELT (mehr, mehr und mehr und noch zwei Instrumente), ein Luftbild-Film vom fast fertigen FAST in China, der Cosmology Large Angular Scale Surveyor für Chile – und die Bedeutung des SKA für Afrika.

Seltener Asteroiden-Besuch: gleichzeitig groß und nah

Wenn am 31. Oktober der frisch entdeckte NEA 2015 TB145 auch mit 12 mag. über unseren Himmel zieht, dann ist das schon ein besonderer Fall: Er hat auf einem Faktor 2 einen Durchmesser von 320 Metern und kommt der Erde bis auf 1.3 Monddistanzen nahe, wobei er auch noch mit ungewöhnlich flotten 35 km/s an ihr vorbei schießt. Und das gibt’s nicht alle Tage: „This is the closest approach by a known object this large until 1999 AN10 approaches within 1 lunar distance in August 2027. The last approach closer than this by an object with H < 20 was by 2004 XP14 in July 2006 at 1.1 lunar distances" – Artikel hier, hier, hier und hier und die Celestia-Files. Auch die Erforschung des Ries-Kraters, ein neuer Meteoriten-Fall in Uruguay (Artikel hier, hier, hier und hier, die Kometen Catalina am 10.10., PANSTARRS am 14.10. und Lovejoy über 9 Monate, der Uranus am 14./15. und 7./8. Oktober, das Wetter auf dem Jupiter 2014/15, die Planeten am Morgen heute und die Mars-Jupiter-Konjunktion davor (mehr und mehr). So ein schöner Green Flash in Norwegen, ein selbst entwickelter Fulldome-Projektor für Planetarien, der Astro-Aspekt des IYL, eine gerettete Volkssternwarte in Mexiko, ein Amateurastronom in Gladbeck, zwei Massen-Starparty-Rekorde in Australien – und Wissen vom Fass, eine besonders harte Science-in-the-Pub-Variante ohne Vorwarnung …

Eine Antwort to “Statt Alien-Blödsinn: den Stern selber erforschen!”

  1. Allgemeines Live-Blog vom 29.-31. Oktober 2015 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Strichspuren, so gestern und vorgestern): Die größte Erdnähe von 1.3 Monddistanzen wird bekanntlich heute Nachmittag (“Seltener Asteroiden-Besuch: gleichzeitig groß und nah”) erreicht, und wie hier […]

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