Allgemeines Live-Blog vom 10. bis 12. Nov. 2015


12. November

Der total verfinsterte Mond im thermischen Infraroten gefilmt während der September-MoFi – von einem Amateurastronomen mit einer Kamera aus dieser Serie: Bilder so gut wie von einem teuren Satelliten; auch eine Analyse der Helligkeit und ein Webcast der MoFi. Ferner ein neues fernstes Objekt des Sonnensystems mit nur vagen Informationen und noch nicht mal einem Orbit (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und ein kurioser Press Release), ein Radarfilm des Doppel-NEA (385186) 1994 AW1, die statistische Bestätigung der ungewöhnlich vielen Feuerkugeln von den Tauriden 2015 und Bilder hier, hier, hier, hier und hier und die Morgenplaneten mit und ohne Mond gestern in Rumänien, vorgestern in Kanada, dem UK und Malaysia und am 9.11. in Österreich und Malaysia. Sowie ein hektischer Nacht-Zeitraffer, eine Online-Allsky-Kamera, ein offensichtlicher Brandanschlag auf die Stuttgarter Sternwarte auf der Uhlandshöhe, die schwer beschädigt wurde, Experimente mit einem visible nulling spectrograph und machine learning für Astrobild-Auswertung, eine Video-Analyse des Raketentests vor Kalifornien, neue Geldsorgen bei und eine Resolution für Arecibo, 11 Mio. deutsche Euro für Südafrikas MeerKAT – und der erste Spatenstich für das Giant Magellan Telescope: Artikel hier, hier, hier, hiera und hier. [23:35 MEZ – Ende]

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Mal ein Pluto in sehr falschen Farben … Hier wurde principal component analysis eingesetzt, um subtile Farbunterschiede auf einem MVIC-Bild heraus zu arbeiten. Auch was man bisher über Ceres gelernt hat, für dessen weiße Flecken es mehrere Ideen gibt, was an Computer-Hardware in Hayabusa 2 steckt, eine Schweizer Kamera für den ExoMars-Orbiter, der Status von Opportunity, die Galileo-Satelliten als ART-Tester, die Gaia-Messung eines Mond-Transits, wie man mit ‚freeform optics‘ kompakte Teleskope für die Raumfahrt bauen kann, das SM der ESA für Orion bereit für Tests – und der jüngste Ariane-5-Start wieder ohne Probleme. [20:55 MEZ]

Die Abenteuer von Philae vor genau einem Jahr in neuer Rekonstruktion: So ist der arme Lander über den Kometenkern gehüpft, als es mit der Landung nicht so ganz nach Plan verlief: Press Releases zu den Ereignissen damals, den Erkenntnissen seither und dem vermutlichen Status des Landers hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Interview mit dem Chef, ein Video-Update, wie Rosettas eigene Landung ablaufen soll – und aktuelle Amateuraufnahmen des Kometen vom 9. November und mit nur 10 cm Öffnung vom 8. November. [20:45 MEZ. NACHTRÄGE: die Aufzeichnung einer Philae-Jubiläums-PK vor dem LCC in Köln, eine ESA-Kurz-Doku zum Jahrestag und ein Artikel zu den Rosetta-Landeplänen]

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Io-Vulkan-Kartierung / Griseldis getroffen / C-G ganz nah

Die letzte PK von der 47. DPS-Tagung begann mit der Auswertung der Bedeckung des Io-Vulkans Loki durch Europa, die mit dem Large Binocular Telescope bei 4.8 µm beobachtet worden war, wo der Vulkan hell strahlt: Die Lichtkurven von Ein- und Austritt am Europa-Rand liefern dank 8 Bildern pro Sekunde – zwischen denen sich Europa nur um 2.4 km verschiebt – 40-mal höhere Ortsinformation als das Teleskop direkt. Auf der daraus schließlich rekonstruierten Karte (oben) hat sich die Aktivität des Vulkans gegenüber früher verschoben, womöglich ein periodischer Vorgang. Dann wurde Staub-Aktivität des Asteroiden (493) Griseldis klar auf einen Impakt zurück geführt: Der Staub sah nicht wie ein normaler Schweif aus und verschwand schnell, nachdem er fern des Perihels schlagartig aufgetaucht war. Einschläge auf dem 46 km großen Asteroiden sind statistisch alle 5 Jahre zu erwarten: Passt!

Vom Rosetta-Kometen C-G wurden die bekannten spektrophotometrischen Daten nochmals referiert und auf Frage dieses Blogs klargestellt, dass die spektrale Ununterscheidbarkeit beider Hälften des Kerns keine Aussagen über dessen Entstehung zulässt: Man sieht es inzwischen als weitgehend erwiesen an, dass dies durch sanfte Verschmelzung zweier chemisch ähnlicher Teile in ferner Vergangenheit geschah. Neu dagegen Hinweise auf bisher unbekannte Plasma-Chemie in der inneren Koma von C-G, in der OH sonst nicht so hell leuchten würde, wie es OSIRIS durch enge Filter sieht. Und der direkt abgebildete Planet von 51 Eri b ist wirklich einer: Auf einem neuen GPI-Bild vom September 2015 hat er sich auf seiner Bahn weiter bewegt. Der warme Jungplanet (650 Kelvin, 2 Jupitermassen, 14 au projiziert vom Stern) ist die erste Entdeckung der GPI Exoplanet Survey (GPIES), die inzwischen 150 der 600 Zielsterne angeschaut hat und auch allerlei andere Kuriositäten entdeckte. [20:30 MEZ]

Sicher der ungewöhnlichste Dokumentarfilm über eine totale Sonnenfinsternis seit langem: Man folgt einer Gruppe Skifahrer und dem Fotografen Reuben Krabbe nach Svalbard, der die ersteren vor der SoFi diesen März ablichten will, wie auch hier und hier beschrieben wird. Das Ergebnis all der Mühen ist am Ende des preisgekrönten 1/2-Stunden-Werks leider kaum zu erkennen, aber in Zusatz-Material (linke Spalte: „Part 4“ und dann „THE SHOT“) taucht eine Totalität mit fahrendem Skifahrer als Hintergrund auf wie auch in der letzten Sekunde dieses Extra-Videos, während herumstehende Skifahrer vor Partialität – wohl Stills aus der Doku – hier = hier und hier zu sehen sind. Wie Krabbe diesem Blog verriet, soll aber demnächst was Großes in dieser Zeitschrift erscheinen. [4:35 MEZ. NACHTRAG: Und hier ist das Bild, aus diesem Beitrag, auf den dieser Artikel verweist. NACHTRAG 2: und noch ein ganz später Artikel]


11. November

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NEOWISE-Erfolge, NEO-Zuordnungen, Wolkensysteme Titans

Die heutige DPS-PK feierte zunächst die über 35’000 Asteroidenentdeckungen mit dem als NEOWISE wiederbelebten Infrarot-Satelliten WISE: In Kombination mit der visuellen Helligkeit liefert die infrarote Größe und Albedo. Für rund 8000 Objekte, darunter 201 Near Earth Asteroids, wurde diese Analyse schon durchgeführt: Die Grafik zeigt, wie NEOWISE vor allem dunkle Objekte mit weniger als 10% Albedo (und von gelegentlich über 1 km Durchmesser) entdeckt hat. Leider wird es (NEO)WISE etwa 2017 zu heiß, um die Asteroidenjagd fortsetzen zu können.

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Sowohl die NEOWISE-Sprecherin Carrie Nugent wie der Asteroidenspezialist Rick Binzel waren der Meinung, dass sich durch NEOWISEs Dunkelfunde die Statistik der Impakte auf der Erde spürbar verändert habe: Dazu seien es immer noch viel zu wenig. Binzels Thema war die Bestimmung der Regionen im Sonnensystem, aus dem die NEAs kommen: Dazu werden Spektren (der IRTF) verglichen und auch dynamische Überlegungen angestellt. Die Nu-6-Resonanz im Hauptgürtel erweist sich als wichtigste Einzelquelle, aber auch Mars-Kreuzer und die 3:1-Resonanz sind wichtig. Die primitiven NEAs des C-Typs kommen eher aus dem äußeren Asteroidengürtel, während die am häufigsten auf der Erde gefundenen Meteoriten (Chondriten der Klassen LL, H und L) jeweils Bereichen des inneren und mittleren Hauptgürtels zugeordnet werden können.

converted PNM file

Andere Themen der PK waren ein ausgedehntes Wolkensystem auf dem Titan, von dem Cassinis Kamera nur die ‚Spitze‘ gesehen hat, das CIRS aber weit in die Tiefe der Atmosphäre des Saturnmonds verfolgen konnte, Curiositys Untersuchungen an Veins in Garden City, wo noch spät in der Geschichte des Gale-Kraters mehrfach Flüssigkeit in den schon verfestigten Mudstone eindrang, und die Erkenntnis, dass Kohlenwasserstoff-Dunst durch Photochemie aus Methan, wie er die Erde im Archaean umgab, auch bei Exoplaneten als Indiz für lebensfreundliche Welten dienen könnte: „pale orange dots“ halt. [23:25 MEZ. NACHTRÄGE: ein verspäteter Press Release dazu und eine Aufzeichung der PK hier unter „DPS 47“ 3. Item und hier]


10. November

Ein bemerkenswerter düsterer Science-Fiction-Kurzfilm (20 Minuten) eines Filmstudenten aus Florida von 2012 ist jetzt frei im Web zu sehen: „At the End“ erinnert mit der Unausweichlichkeit des baldigen Endes der Erde stark an „Melancholia“ und kann es von der technischen und schauspielerischen Qualität mit „Another Earth“ und anderen ambitionierten Low-Budget-Produktionen aufnehmen. Und was wurde aus dem Schöpfer? “ I’m currently living in Los Angeles trying to make my dreams of becoming a feature film director come true,“ teilte er diesem Blog mit – viel Erfolg! [19:50 MEZ]

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Encke trifft Merkur / Phobos kaputt / Planeten-Definition

Ein bunter Themen-Mix heute auf der 2. Pressekonferenz während der DPS-Tagung: So ist nun im Detail nachgerechnet worden, dass ein regelmäßiger Anstieg des Kalziums in der Exosphäre des Merkur wie vermutet durch Staub des Kometen Encke verursacht wird, der auf die Planetenoberfläche schlägt. Dabei muss der Poynting-Robertson-Effekt auf die Teilchen berücksichtigt werden, der den Dust Trail (weiß) so im Raum verschiebt (orange), dass der Kalzium-Ausbruch (beige) tatsächlich zum Durchflug Merkurs auf seiner Bahn passt. Dann wurde vorgerechnet, dass das orbitale Absinken des Marsmonds Phobos zur Zerstörung des Marsmonds führen wird: Seine auffälligen ‚Grooves‘ passen zumindest teilweise zum Gezeiten-Stressmuster, das ihm der Planet verursacht, entwickeln sich allerdings nur auf Zeitskalen von Millionen Jahren.

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Den letzten Auftritt hatte – nach einer Verfeinerung des Mechanismus der Mond-Entstehung – Jean-Luc Margot, der seine bereits hier und hier ausführlich vorgestellte quantitative Planeten-Definition erläuertete. Das sei eben kein bürokratischer Akt, beschied er einem Fragesteller: Die Tatsache, dass Pluto und Co. um drei Größenordnungen schlechter abschneiden als die Planeten sage etwas Fundamentales über die Entstehung des Sonnensystems aus. [19:30 MEZ. NACHTRÄGE: Artikel dazu hier, hier, hier und hier sowie zu Phobos hier und hier, plus die Aufzeichung der PK hier unter „DPS 47“ 2. Item und hier]

‚Ice Age‘ geht in den Weltraum! Der nächste Film der erfolgreichen Animations-Serie im kommenden Sommer, „Collision Course„, wird Mammut, Faultier und Co. erstmals in den Weltraum entführen – und in diesem 5-Minuten-Kurzfilm weist das Säbelzahnhörnchen Scrat schon mal den gewohnt überbordend ins Bild gesetzten Weg, während die BU vage den Plot des kommenden Langfilms umreisst … [19:05 MEZ]

2 Antworten to “Allgemeines Live-Blog vom 10. bis 12. Nov. 2015”

  1. Die farbigen Eigenvektoren von Pluto & Charon | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] wurden nämliche principal components verschiedenen Farben zugeordnet und zu einem Falschfarbenbild (“Mal ein Pluto in sehr falschen Farben”) zusammen gefügt, das unterschiedliche […]

  2. Allgemeines Live-Blog ab dem 8. Oktober 2016 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] drittfernste, wenn man den Kandidaten V774104 [Links mitten im ersten Item] ernst nimmt) ist mit dem 4-m-Teleskop auf dem Cerro Tololo in Chile […]

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