Hat LCROSS Wasser gefunden? Am 17. November wissen wir’s

plume

Auf einer Session des Annual Meeting of the Lunar Exploration Analysis Group am 17. November wird der Chefwissenschaftler von LCROSS wohl zum ersten Mal verkünden, ob der Impakt vor knapp zwei Wochen Wasserdampf freigesetzt hat oder nicht: Das erklärte er rund 30 Mondfans – darunter diesem Blogger – während einer spannenden Videokonferenz in der vergangenen Stunde, wo er schon wesentlich mehr zu bieten hatte als auf der viel kritisierten Ames-Pressekonferenz Stunden nach dem Impakt. Dieser habe ihm „data more rich than I honestly expected“ beschert: Sie reichen vom Impaktblitz (durch die Hitze, die die Kompression von Centaur und Boden verursachte) voller Emissions- und Absorptionslinien über die bei mehreren Wellenlängen gesehenen Staubwolke bis zu Nahaufnahmen des frischen 28-Meter-Kraters mit zum Schluss 2 Metern Auflösung – da sei sogar strukturelles Detail zu sehen.

Versteht man inzwischen, warum die Staubwolke so unauffällig geriet? Bei Simulationsrechnungen und Experimenten im Vorfeld der Mission habe man große Unsicherheiten festgestellt, so Colaprete, da kam bei verschiedenen Monte-Carlo-Läufen schon mal ein um einen Faktor 10 unterschiedliches Ergebnis heraus. Seine Vermutung: Die Centaur wurde wie eine Blechdose zusammengepresst, die überdies auf einen „fluffy“ Boden stieß, der sich ebenfalls gut komprimieren ließ – wie bei einem Stoßdämpfer. Und in einer solchen Situation, das hatten die Experimente schon vorher gezeigt, entsteht ein flacher Ejekta-Vorhang, der zu den Seiten davonsprüht. In der Tat haben LCROSS‘ Kameras ein 6-8 km breite Staubwolke gesehen (Abb.: kontrastverstärktes Summenbild), die indes nicht jene 2 km hoch kam, die nötig gewesen wären, um sie von der Erde aus sehen zu können.

Aber diese „plume“ ist ja nicht alles: Messungen des LAMP-Instruments auf dem LRO deuten an, dass aus dem Krater auch eine mindestens 15 km hohe Gaswolke aufgestiegen ist, mit 500-800 m/s – und die hat sich vermutlich in Spektren eines irdischen Teleskops (welches, sagte er nicht) bemerkbar gemacht! Das sei sogar vorteilhafter als wenn viel Staub hoch hinauf gestiegen sei: Ohne Staub ist das Signal/Rausch-Verhältnis der Gasspektren besser. Der LRO hat die letzten Tage den Rand des Mondes im Auge behalten, um Veränderungen der Exosphäre zu verfolgen, aber der Mond hat sich nun wieder so weit gedreht, dass bald neuerliche Blicke auf den Centaur-Krater möglich sind. Nach den ersten wissenschaftlichen Vorträgen auf der LEAG wird es detaillierte Analysen im Dezember auf dem AGU Fall Meeting und bald auch schon die ersten schriftlichen Papers geben. Und in 6 Monaten gehen alle LCROSS-Daten ans Planetary Data System: Dann kann sich jeder damit auseinandersetzen.

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2 Antworten to “Hat LCROSS Wasser gefunden? Am 17. November wissen wir’s”

  1. 100 kg Wasser – und mehr – in der Impaktwolke von LCROSS nachgewiesen « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] sind sie sicher: In der 10 bis 12 km breiten Wolke, die die LCROSS-Centaur beim Impakt auf dem Mond produzierte (oben eine neu verarbeitete Aufnahme), haben zwei Spektrometer auf dem Shepherding […]

  2. Das Blog-Teleskop #38 | Astrofan80's Blog Says:

    […] man in diesem Artikel von Ludmila Carone nachlesen konnte. Und auch “Go for Launch” und “Skyweek Zwei Punkt Null” widmeten jeweils einen Artikel zum selben […]

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