Nachrichten aus der Astrophysik kompakt

Neutrinoteleskop „IceCube“ am Südpol fertig!

Am 18. Dezember (Neuseeland-Zeit) war es so weit: Der letzte von 86 Strings mit Photomultipliern des Neutrinoteleskops IceCube war mehrere Kilometer tief mit einem Heißwasserbohrer im Eis des Südpols versenkt, in dem nun 5160 dieser extrem empfindlichen Lichtdetektoren darauf lauern, das durchs Eis schießende Neutrinos charakteristische Cherenkov-Blitze aussenden. (Konkret funktionieren 98% der Photomultiplier perfekt und ein weiteres Prozent ist brauchbar – erfreulich, da sie nie wieder an die Oberfläche geholt werden können.) 279 Mio.$ hat das außergewöhnliche Observatorium gekostet, größtenteils finanziert von der amerikanischen National Science Foundation. Bereits seit 2005 hat der noch unfertige IceCube Daten gesammelt und allerlei Nullresultate („Auch keine …“) eingefahren – darunter das beste Limit zu Teilchen der Dunklen Materie im Sonneninneren. (LBL, NSF Releases 17., Jens’s Blog 19., Welt der Physik, Golem 20., Science News, Spiegel 21., Science Journalism Tracker 22., Scientific American, Discovery 23.12.2010) NACHTRAG: ein Nachzügler (lang). NACHTRAG 2: dito. NACHTRAG 3: dito (aber vor Ort). NACHTRAG 4: eine lange Geschichte des Projekts … NACHTRAG 5: … und ein Artikel von Spiering.

Noch ein Versuch, die Spiralstruktur der Milchstraße zu ergründen

Das Bild unserer eigenen Milchstraße („Wieder ein neues Bild …“) wird immer komplizierter: Nach einer farbenfrohen russischen Analyse ist der Innenbereich eine ordentliche vierarmige Spirale, die sich aber weiter draußen in eine asymmetrische Vielarm-Spirale verwandelt. Gewisse Ähnlichkeiten gibt es mit M 101 und M 31, aber es kommt ein – relativ kleiner – Balken dazu. Die besten Analogien am Himmel wären demnach NGC 3124, NGC 3992 = M 109 und NGC 2336. (Efremov, Preprint 20.11.2010)

„Dunkle“ Gamma-Ray Bursts sind v.a. die Folge von Staub in der Galaxie, wo die Sternexplosion stattgefunden hat, und stellen kein eigenständiges astrophysikalisches Phänomen dar: Das ist die Schlussfolgerung aus diversen GRB-Beobachtungen mit dem schnell und automatisch Richtung Quelle schwenkenden GROND-Teleskop – das in vielen Fällen doch noch schwindende schwache Strahlung im Sichtbaren sieht. Staub in der Galaxie oder eine einfach zu große Entfernung sind demnach der Grund, dass bisher bei 40-60% aller GRBs kein sichtbares Glühen gesehen wurde. (Greiner & al., Preprint 2.11., ESO PR 16., KosmoLogs 18.12.2010)

Auch stellare Jets werden von Magnetfeldern fokussiert

und sind damit tatsächlich genaue Gegenstücke von Jets Aktiver Galaktischer Kerne bzw. Mikroquasaren: Das zeigt der Nachweis polarisierter Synchrotronstrahlung von den Jets junger stellarer Objekte (YSOs) durch den Very Large Array. Alle astrophysikalischen Jets scheinen mithin nach denselben Prinzipien zu funktionieren. (Carrasco-González & al., Science 330 [26.11.2010] 1209-12; NRAO Release 25.11.2010)

Der bei weitem zirkonreichste Stern, der je gefunden wurde, hat einen 10’000-mal höheren Anteil dieses Elements als die Sonne, und auch Strontium, Germanium und Yttrium sind stark angereichert: Vermutlich haben sich in seinen äußeren Schichten – die allein der Beobachtung direkt zugänglich sind – kuriose Wolken gebildet; ein starkes Magnetfeld hat dabei auch eine Rolle gespielt. (Naslim & al., Preprint 25.10., R.A.S. Press Release 6.12.2010)

Erstes Atmosphärenspektrum einer „Super-Erde“ vielsagend öde

Keinerlei Features zeigt das Transmissionsspektrum der Super-Erde (2 bis 10 Erdmassen) GJ 1214b, das bei Transibeobachtungen mit dem VLT gewonnen wurde: Eine wolkenlose Wasserstoffatmosphäre scheidet damit aus. Entweder gibt es viel optisch dicken Dunst oder aber dichten Wasserdampf. (Bean & al., Nature 468 [2.12.2010] 669-72, auch Deming, ibid. 636-7; ESO, CfA, JPL Releases. Nature News, Physics World 1., Science Journalism Tracker, Space Today 2.12.2010)

Zwei verschiedene Zusammensetzungs-Gruppen bei den Trojanern des Jupiter zeigen NIR-Spektren dieser Asteroiden – und die rötlichere Gruppe (die räumlich genau so verteilt ist wie die andere) könnte ursprünglich aus dem äußeren Sonnensystem stammen: Dann wären dies die bei weitem am einfachsten zu erreichenden Materialproben aus dem Kuipergürtel! (Emery & al., Preprint 6.12.2010)

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3 Antworten to “Nachrichten aus der Astrophysik kompakt

  1. Nachrichten aus der extremen Physik kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Neutrinoteleskop IceCube am Südpol sieht keine Neutrinoschauer bei Gamma Ray Bursts. In halbfertigem Zustand (40 Strings) […]

  2. Der Mond-Schatten vor der Kosmischen Strahlung « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] hier mit IceCube „aufgenommen“ worden, dem im Eis des Südpols versenkten Cherenkov-Teleskop: Seine […]

  3. Allgemeines Live-Blog vom 23. bis 27. 11. 2013 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] entstehen, wenn dort Teilchen der Kosmischen Strahlung einschlagen – aber nun hat IceCube am Südpol offenbar das Fenster in den fernen Kosmos aufgestoßen: Den zwei ersten Kandidaten für […]

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