Das neue „Space Launch System“ der NASA ist nun offiziell enthüllt

und sieht genau so aus wie schon lange durchgesickert war: Die Unterstufe der Riesenrakete – dem Spitznamen ‚Senate Launch System‘ angemessen von zwei Senatoren im Kapitol präsentiert, während der NASA-Chef daneben stand (Screenshot des gestrigen House-eigenen Webcasts) und Detailwissen abstritt – besteht aus dem Shuttle-Haupttank, darunter sitzen fünf Shuttle-Haupttriebwerke (RS-25D/E) und daneben zwei Shuttle-Feststoffbooster. Die Oberstufe benutzt dagegen J-2X-Triebwerke, wie sie für Constellation aus der alten Saturn-Rakete entwickelt wurden. Und oben drauf kommt entweder das Multi-Purpose Crew Vehicle, das aus der Orion-Kapsel ebenfalls aus Constellation-Tagen hervor gegangen ist, oder eine andere schwere Nutzlast für den Erdorbit oder darüber hinaus. Zunächst kann das SLS, dessen erster Testflug unbemannt Ende 2017 stattfinden soll, 70 t (und gemeint sind metrische, nicht ‚kurze‘ angelsächsische Tonnen) und in einer späteren Version 130 t tragen – und soll bis 2017 insgesamt 18 Mrd.$ kosten: 10 Mrd.$ für das SLS selbst, 6 Mrd.$ für das MPCV und 2 Mrd.$ für Infrastruktur am Boden.

Bei der Präsentation und einer folgenden Telecon wurde immer wieder beschworen, wie sparsam man doch sei: Nicht nur werden jede Menge schon fluggetestete Komponenten wieder verwendet, auch hätten z.B. die Unter- und Oberstufe denselben Durchmesser – schon braucht’s nur noch eine Art Maschinen für die Fertigung. Also wieder mal ein ‚Shuttle-Nachfolger‘ in den Startlöchern, wie schon mehrfach in den letzten 25 Jahren: Wird auch er wieder scheitern? Das sei jetzt ein „sustainable and flexible program,“ hieß es auf der Telecon: Da hätten sich nun wirklich alle in NASA und Politik drauf verständigt, und die Kosten seien unabhängig geprüft. Das Jahr 2017 für den Erstflug sei aber doch ein „pretty hard milestone“: Zwar kommen die Shuttle-Triebwerke und -Booster gewissermaßen aus dem Regal, aber sie zu einer neuen Rakete zusammen zu basteln, ist dann doch ein größerer Aufwand, da die Komponenten „in a novel way“ eingesetzt werden.

Insbesondere dem ehemaligen Außen- und nun zentralen Tank ergeht es nun deutlich anders: die größte Unwägbarkeit bei der Entwicklung der Unterstufe. Der Erstflug wird – trotz größerer Sicherheit als beim Shuttle: Die Astronauten könnten einer versagenden Rakete entfliehen – auf jeden Fall unbemannt erfolgen, „damit wir sicher sind, dass wir nichts vergessen haben,“ wie es auf der Telecon entwaffnend hieß. Rund 3 Mrd.$ pro Jahr sind für die Entwicklung veranschlagt: Das erfordert keine zusätzlichen Mittel und wird sich im Etatplan für das FY 2013 im Februar 2012 konkret niederschlagen. Ob sich die USA dann allerdings auch noch tolle Missionen leisten können, die mit dem SLS starten werden, das die NASA selbst so schnell gar nicht haben wollte, steht – buchstäblich – auf einem anderen Blatt … Grundlegendes, Live-Notizen von Präsentation und Telecon, ein paar bunte Bilder von der Rakete und dem Event und Artikel von NASA Spaceflight (Vorsicht: Detailflut!), Space News, Spaceflight Now, Space Politics, Scientific American Blog, Science Journalism Tracker und Space Today – mehr im grünen Kasten vom CM #344

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2 Antworten to “Das neue „Space Launch System“ der NASA ist nun offiziell enthüllt”

  1. Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] simuliert, der sie u.U. ramponieren wird. 2017 soll dann ein anderes Exemplar der Orion mit dem ersten Space Launch System (SLS) auf einen unbemannten Flug um den Mond geschickt werden, bevor dies 2021 mit einer Besatzung […]

  2. Allgemeines Live-Blog ab dem 16. Januar 2013 « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] für diesen zweiten Flug der Orion, der – z.Z. für Ende 2017 geplant – der erste der neuen Riesenrakete SLS sein und unbemannt um den Mond herum führen wird. Die ESA ist damit – zumindest […]

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